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Verfluchtes Fleisch.

Der Bierbichler ist einer, der potentiell jeden ein Arschloch nennen könnte. In seinem Buch Verfluchtes Fleisch nennt er auch ziemlich viele Leute Arschloch. Deswegen nennt ihn die Süddeutsche einen Grantler. Ich nenn ihn lieber Bierbichler, weil Grantler klingt so verniedlichend. Ich würd ihn ja gern auch ein Arschloch nennen, aber man weiß ja nie, wohin solche Beschimpfungen führen, seit Duelle verboten wurden. Außerdem wär ich bestimmt nicht satisfaktionsfähig.

Also er kann nicht sehr gut schreiben, deswegen ist er auch kein geniales Arschloch wie Bernhardt, aber sein Buch ist arschlochmäßig fabelhaft. Da sitzt einer in seiner verdammten Kneipe am Starnberger See, denke ich mir, zwischen all den millionenschweren Hodensäcken, sitzt in der Ecke, guckt böse, fährt manchmal irgendwohin zu einer Theaterarbeit oder nem Fernsehfilm, kommt nicht vom Zadek runter und schreibt einen Hassbrief an die Welt. Konsequenter wärs gewesen, er hätte die Schnauze gehalten, aber ich bin ganz froh, dass ers nicht getan hat. Ich hab mich 150 Seiten königlich amüsiert, ja gut, das heißt jetzt gar nix. Aber nicht über ihn, nicht mit ihm, sondern einfach so. Bierbichler ist mir noch immer genauso egal wie vorher. Sein Buch zeigt, wie man die Welt hassen kann, ohne dabei komplett zu verblöden, und ohne dabei sein Feingefühl in Bausch und Bogen in den Latrinengraben zu schütten. Arschlochmäßig feinfühlig, das ganze, ein gutes Buch, bis auf die Altersgeilheits-Passagen. Die bekommt er überhaupt nicht hin. Hoffentlich bleibts sein letztes, ich denke nicht, dass er noch so ein gutes hinbekommt. Und eigentlich hätte ein Lektor ein Einsehen haben müssen und das Buch um 100 Seiten kürzen sollen, weil irgendwann lässts schon ziemlich stark nach.

Josef Bierbichler: Verfluchtes Fleisch. Dtv, 288 Seiten, 12 €.

10.1.07 18:42
 


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