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Schüttelreim II

Es klapperte die Klapperschlang
bis ihre Klapper schlapper klang.

(H. Erhardt nochmal) 

11.1.07 22:08


10.1.07 18:00


Schüttelreim I

Heut essen wir den Suppenhahn
den gestern wir noch huppen sahn.

(Heinz Erhardt) 

9.1.07 23:38


Verfluchtes Fleisch.

Der Bierbichler ist einer, der potentiell jeden ein Arschloch nennen könnte. In seinem Buch Verfluchtes Fleisch nennt er auch ziemlich viele Leute Arschloch. Deswegen nennt ihn die Süddeutsche einen Grantler. Ich nenn ihn lieber Bierbichler, weil Grantler klingt so verniedlichend. Ich würd ihn ja gern auch ein Arschloch nennen, aber man weiß ja nie, wohin solche Beschimpfungen führen, seit Duelle verboten wurden. Außerdem wär ich bestimmt nicht satisfaktionsfähig.

Also er kann nicht sehr gut schreiben, deswegen ist er auch kein geniales Arschloch wie Bernhardt, aber sein Buch ist arschlochmäßig fabelhaft. Da sitzt einer in seiner verdammten Kneipe am Starnberger See, denke ich mir, zwischen all den millionenschweren Hodensäcken, sitzt in der Ecke, guckt böse, fährt manchmal irgendwohin zu einer Theaterarbeit oder nem Fernsehfilm, kommt nicht vom Zadek runter und schreibt einen Hassbrief an die Welt. Konsequenter wärs gewesen, er hätte die Schnauze gehalten, aber ich bin ganz froh, dass ers nicht getan hat. Ich hab mich 150 Seiten königlich amüsiert, ja gut, das heißt jetzt gar nix. Aber nicht über ihn, nicht mit ihm, sondern einfach so. Bierbichler ist mir noch immer genauso egal wie vorher. Sein Buch zeigt, wie man die Welt hassen kann, ohne dabei komplett zu verblöden, und ohne dabei sein Feingefühl in Bausch und Bogen in den Latrinengraben zu schütten. Arschlochmäßig feinfühlig, das ganze, ein gutes Buch, bis auf die Altersgeilheits-Passagen. Die bekommt er überhaupt nicht hin. Hoffentlich bleibts sein letztes, ich denke nicht, dass er noch so ein gutes hinbekommt. Und eigentlich hätte ein Lektor ein Einsehen haben müssen und das Buch um 100 Seiten kürzen sollen, weil irgendwann lässts schon ziemlich stark nach.

Josef Bierbichler: Verfluchtes Fleisch. Dtv, 288 Seiten, 12 €.

10.1.07 18:42


Kinderarbeit

Als ich, im Urlaub in Spanien, eines Abends den Fernseher anschaltete, war ich hoch erfreut: Fussball, Barcelona gegen Sporting Lissabon, Kleinfeld, sieben gegen sieben. Super, sag ich, und plazier mich mit meinem San Miguel auf dem Sofa.

Aber irgendwas war komisch. Die Bewegungen der Spieler - so ungelenkt. Taktische Ausrichtung nicht erkennbar. Das ganze erinnerte an ein Gebolze talentierter Individualisten.

Kurz darauf: Tor für Barcelona, Nahaufnahme Torschütze. Der heißt Gerard Deulofeu und ist ganze 12 Jahre alt. Doppeltorschütze im Finale des Jugendturniers in Estepona. Gefeierter Star. Der nächste Ronaldinho. Wie auch immer.

Am Anfang war ich verwundert, dann angewidert. Da huschen Reporter übers Spielfeld, mit gebückten Köpfen, wie die Geier, um Kindern die alles entscheidende Frage zu stellen: Wie fühlt sich das an, so ein Tor? Da werden Kinder hemungslos vor die Kamera gezerrt, während sie nach einer Niederlage heulen und schluchzen und völlig hilflos in dem ganzen Rummel stehen. Da werden Zwölfjährige dank ihrer Haarpracht mit Bernd Schuster verglichen, und das ganze Journalistengeschmeis verdient sich dank der Kleinen die Butter aufs Brot samt Sekt und Kaviar.

Verdammte Leichenfledderer. Der wird gefeiert, und man kann es eigentlich gar nicht mehr deutlicher sagen: Um den Kleenen gehts doch kein Stück, keiner interessiert sich für ihn - aber was ne Story. 12 Jahre und ein Star, Ronaldhino gratuliert, hoffentlich macht der später anständig öffentlichkeitswirksame Sachen, Drogen nehmen oder seine Freundin erschlagen. Das sind die Themen, die die Auflage steigern: Unschuld, Jugend, Sex and Crime, wundervoll. Jetzt mus man sich nur noch die passenden Träger heranzüchten.

Deulofeu unter anderem.

File under: Its a mad world indeed.

8.1.07 17:06





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